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Es gibt Frustration in Sülzhayn, aber Freude am Horizont: 2508 Am 23 Februar 2023 um 17 Uhr


Da macht sich eine Thüringer Ministerin für Migration auf den beschwerlichen Weg von Erfurt nach Sülzhayn und dann wird sie noch von humorlosen Menschen begrüßt und mit unbeliebten Wahrheiten konfrontiert. Die nnz hat Doreen Denstädt begleitet...

Detlef Bellmann im Gespräch mit Denstädt und Jendricke (Foto: nnz) Detlef Bellmann im Gespräch mit Denstädt und Jendricke (Foto: nnz)
Selbst im beschaulichen Sülzhayn ist es nicht einfach, an einem Freitagvormittag fast 40 Frauen und Männer auf die Straße zu bringen. Immerhin müssen viele Sülzhayner tagtäglich das erarbeiten, was Menschen wie Frau Denstädt dann wieder ausgeben können.

Zum Beispiel für die Integration von Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen auf verschlungenen Pfaden nach Deutschland begeben haben. Und damit sehen die Sülzhayner jeden Tag unmittelbar, wie ihre Steuergelder von Frau Denstädt angelegt werden. Bleibt man bei der Sprache der Banker, dann ist diese Anlage weder zielführend noch gewinnbringend.

Rund 200 Flüchtlinge werden in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in dem einstigen Kurort untergebracht. Mit ihnen ist nicht etwa die politisch verordnete Vielfalt in den beschaulichen Ort gekommen, sondern außergewöhnliche Problemlagen, um es vorsichtig auszudrücken. Komplettiert wird der Strauß der Probleme durch die Unterbringung von derzeit 77 Flüchtlingen aus der Ukraine.

In der Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge besichtigte die Ministerin die Unterbringung (Foto: nnz) In der Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge besichtigte die Ministerin die Unterbringung (Foto: nnz)
In einem Brief haben die Sülzhayner ihre Sichtweise, ihre Beweggründe niedergeschrieben, die sie heute auf die Straße getrieben haben: Besitz und Vertrieb von Drogen, "Rudelbildung", bis hin zu beginnender Prostitution, sind nur einige Punkte in dem Schreiben, das an Ministerin Denstädt und Landrat Matthias Jendricke übergeben wurde. Darin sind nicht mehr Wünsche oder Bitten niedergeschrieben, sondern Forderungen.

Übergeben und versprochen

"Mit Bitten und Wünschen kommen wir weder in Nordhausen noch in Erfurt weiter", sagt ein Sülzhayner. Gemeinsam mit anderen Bürgern habe er sich um die Pflege öffentlicher Anlagen gekümmert. Doch der Kurpark wird von der Initiative nicht mehr gemäht, seit er systematisch kaputtgetrampelt und -gefahren wurde. Der Brunnen wurde zerstört, überall liegt Verpackungsmüll herum.

Einige Einwohner haben ein Alter erreicht, dass die bewusste Erinnerung an die DDR möglich macht, auch der Autor dieser Zeilen gehört dazu. Folgendes war geschehen: Die Service Gesellschaft habe Tage vor dem ministeriellen Besuch das Außengelände der GU inklusive modernen Spielplatz aufgeräumt und herausgeputzt, ganz wie zu Honeckers Zeiten, so ein älterer Einwohner. Schade nur, dass der öffentliche Spielplatz einen etwas vergammelten Charakter habe.

Eine Frau formuliert ihren Frust so: "Integrieren wollen sie sich nicht, Deutsch lernen wollen sie nicht und arbeiten wollen sie nicht. Dafür besaufen sie sich, grölen durch die Straßen und das weit bis nach Mitternacht. Das hält hier kaum noch jemand aus." Was der Berichterstatter am Rande verwundert registriert: Warum brauchen die Kinder in der Unterkunft noch eine Betreuung durch pädagogisches Personal? Haben die keine Mütter oder Väter? Was machen die den ganzen Tag?

Die Ministerin, damit konfrontiert, meint, man könne ihr die Probleme jederzeit schriftlich mitteilen. Ob sie recht bald, wie von den Menschen in Sülzhayn gefordert - hier vor Ort zu einer Gesprächsrunde kommen werde, das wollte sie heute Mittag nicht versprechen.

Ein Versprechen, sprich eine klare Aussage brachte indes Landrat Matthias Jendricke mit: Es wird in Sülzhayn keine weitere Unterkunft für Flüchtlinge geben. Da waren die Bürgerinnen und Bürger dann doch ein wenig beruhigt. Fazit der Frau Denstädt: "Sie sehen, wir bleiben dran." Nach diesem nervenaufreibenden Treffen mit "dem Bürger" ging es dann zurück nach Nordhausen. Der Ausklang des Besuches im Landkreis Nordhausen sollte sich wesentlich freundlicher gestalten.

Besuch beim Horizont
Nach einem Abstecher zum Verein Schrankenlos wurde die Ministerin auch beim Horizont herzlich in Empfang genommen. Hier freute man sich über einen Scheck zur Anschaffung eines neuen Rasentraktors für das Schullandheim Harz-Rigi. Mit knapp 20 Jahren war das alte Gefährt nahezu museumsreif, Ersatzteile gab es keine mehr, erzählt Horizont-Geschäftsführer René Kübler.

Das eigentliche Thema des Besuches war aber nicht die Kinder- und Jugendbildung am Rande Nordhausens, sondern das, was seit jeher das Herz des Horizonts bildet: die Straffälligenhilfe, insbesondere für Jugendliche. Damit hatte der Verein Anfang der 90er Jahre seine ersten Schritte gemacht und das Feld liegt dem Verein bis heute am Herzen. Aktuell organisiert man die Arbeit unter dem Projektnamen "PÜMaS", dem "Professionellen Übergangsmanagement für Inhaftierte und Haftentlassene". Die Leute sollen zurück in die Gesellschaft geführt werden, keine leichte Aufgabe, schon gar nicht, wenn die Bürokratie dazwischen grätscht. Für den Verein nichts Neues, schließlich hat man mehrere Jahrzehnte Erfahrung, aber wenn man schon einmal direkt mit den Verantwortlichen sprechen kann, lässt man sich die Chance nicht entgehen.

René Kübler und Doreen Denstädt bei der Scheckübergabe (Foto: agl) René Kübler und Doreen Denstädt bei der Scheckübergabe (Foto: agl)

Neben dem Wohl und Wehe des Fördermittel- und Antragsdschungels wollte man die Ministerin auch zur Reform der Straffälligenhilfe befragen, die für das kommende Jahr bereits angekündigt wurde.

Die Reise der Ministerin hatte hier aber noch nicht ihr Ende genommen, am Abend wird sie für eine Diskussionsrunde in der Rothleimmühle erwartet.
Peter-Stefan Greiner, Angelo Glashagel

Kommentare

Piet

25.08.2023, 17.47 Uhr

Ein Thüringer

Ministerpräsident sagte mal das ist der schönste Tag in seinem Leben. Viele erinnern sich sicherlich. Nun er muss die neuen Fachkräfte ja nicht ertragen, ich empfehle jedem Gutmenschen sich abends auf eine Parkbank in Sülzhayn zu setzen und der Integration beizuwohnen. Mal sehen wie der Beitrag heute Abend beim MDR aussieht.

Undine

25.08.2023, 17.49 Uhr

Sind wir mal ehrlich,

weder Denstädt noch Jendricke interessieren sich für die Probleme der Sülzhayner. Oder glaubt hier wirklich jemand, dass sich der Landrat plötzlich um Besserung der Lage bemüht, nur weil er sich unangenehmerweise mit dem Wahlpöbel auseinandersetzen musste....Das hat ihm höchstens massiv gestunken, wie man unschwer erkennen kann. Und dann war er nur noch heilfroh, dass alle so nett geblieben sind. Die machen ewig so weiter, da könnt ihr sicher sein!

Einheimischer

25.08.2023, 18.01 Uhr

Veränderung ist wählbar!

Am 10. September 2023 wird ein neuer OB in Nordhausen gewählt. Der ist zwar nicht unmittelbar für Sülzhayn zuständig, allerdings würde ein OB der AfD ein Zeichen setzen können, was weit über die Stadtgrenzen hinausgehen würde. Damit würde Politikertypen wie Landrat Jendricke, die Migration als Geschäftsmodell zu Lasten der einheimischen Bürger (Sülzhayner) betreiben, der notwendige politische Dampf gemacht werden. Die Altparteien Politiker müssen merken, dass sie nicht gewählt worden sind, um permanent ihr Ego zu befriedigen, sondern die Angestellten der Bürger sind. Wer am 10. September wahlberechtigt ist. bitte Wählen gehen!

Peterchen1983

25.08.2023, 18.44 Uhr

Ich glaube ..

Auch im Landratsamt muss langsam mal ein neuer Wind wehen!

Den richtigen Weg

eingeschlagen haben sie, die Einwohner von Sülzhayn. Was anderes bleibt ihnen ja auch nicht übrig. Hut ab! Lassen Sie sich das nicht mehr gefallen, was da abgeht. Politiker, die sich in solch angespannter Situation endlich mal zum Volk trauen, sollte man auch direkt konfrontieren. Mitbewohner, die gegen Gesetze und Verordnungen verstoßen kann man konfrontieren oder anzeigen. Wenn Ordnungshüter nachweislich untätig sein sollten, kann man sich auch darüber beschweren. An die bisherigen Kommentatoren: Für alle das braucht man doch keine AfD-Mutti. Was soll die denn noch alles richten? Dieses MiMiMi Geschrei nach der AfD kann man sich ja nicht mehr anhören.

henyklein

25.08.2023, 19.05 Uhr

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Leser X

25.08.2023, 19.40 Uhr

Ich muss immer schmunzeln...

... über in meinen Augen naive Kommentatoren, die doch tatsächlich zu glauben scheinen, dass mit einem AfD-Bürgermeister in NDH die Welt sich wieder anders dreht. Egal wie es ausgeht - es wird für so manchen ein böses Erwachen aus diesem Traum geben.

Worüber in diesem Beitrag geschrieben wurde, ist sehr viel komplexer als den meisten bewusst sein dürfte. Es ist Ergebnis einer aus den Fugen geratenen Weltpolitik, in der Deutschland schon vor Scholz aber so richtig mit Scholz eine recht unheilvolle Rolle spielt.

Dass es ausgerechnet im ehemaligen Grenzort Sülzhayn so deutlich zutage tritt, nenne ich Ironie der Geschichte.

Harzer66

25.08.2023, 20.18 Uhr

Hab das gar...

....nicht so mitbekommen was da in Sülzhayn abgeht. Gerade was die Leute aus der Ukraine angeht. Da tun mir die Sülzhayner echt leid. Also wie immer. Flüchtlinge in Hot Spot Gemeinden, wo sie entsprechend der Einwohnerzahl überpräsent sind bringen keinen Vorteil. Vllt. Später mal dranbleiben wenn die Aufräumarbeiten anlässlich des Besuches von Frau Ministerin verebbt sind.

Muggefug

25.08.2023, 21.02 Uhr

Zumutung

Was dieser kleinen Gemeinde zugemutet wird ist Irrsinn Der Ministerbesuch ist doch nur Augenwischerei und ändert nichts an dem Grundproblem.
Den Unmut der Flüchtlinge muss der Sylzhayner Bürger permanent ertragen, die Ministerin nur einen Tag.Mal ein paar Wochen in der Unterkunft mit leben, das während der richtige Workshop für die schlauen Minister. Die Flüchtlingspolitik ist völliger Wahnsinn.
Bleibt nur zu hoffen das dort nicht noch mehr Menschen untergebracht werden, sonst gibt es bald mehr Ausländer als Einheimische. Einfach nur traurig

Kama99

25.08.2023, 21.44 Uhr

@Harzer66

Wo ist das Problem? Die Ukrainer haben dickere und schnellere Auto`s als du und ich. Alles bezahlt von unseren Steuergeldern. Das was dort, als Migrant, vorher in diesem Ort gewohnt bzw noch wohnt ist laut Politik dort gut aufgehoben. Keine, oder kaum Anbindung an die Öffentlichkeit, Hauptsache weit weg von den Politikern. Ich selber halte auch nichts von unseren "neuen Gästen". Man kann sich ja nochmal in 5 Jahren über dieses Thema unterhalten dann wahrscheinlich aber in anderer Sprache weil dann unser Heimatland nicht mehr unser sein wird.

Komiron

25.08.2023, 21.52 Uhr

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Jäger53

26.08.2023, 08.03 Uhr

Frau Ministerin

Seid wann ist reden harte Arbeit? So würde ich auch mein Geld gern verdienen, nur durch reden.

Bierchen

26.08.2023, 09.13 Uhr

Toller Besuch.......

Grundsätzlich ist ja löblich, dass sich Politiker mal in den hohen Norden des Freistaates aufmachen. Allerdings sollte gerade bei dieser Dame, wie bei allen Grünen und weiten Teilen der Roten, keiner die Hoffnung auf Interesse für Lösungen im Sinne der hiesigen Bevölkerung hegen. Es geht ihr doch hauptsächlich darum, die geöffneten Schleusen für Alle offenzuhalten. Liegt der praktizierte Deutschlandhass doch in der DNA der Grünen. Nachzulesen in vielerlei Statemants im Netz. Der Landrat hat ja hin und wieder gute Ansätze bewiesen, als er die vielen Probleme mit den Flüchtlingen anprangerte und auch Forderungen nach Sanktionen berechtigterweise anregte. Nur leider mit Linksgrün in keinster Weise zu realisieren.
Was spricht dagegen, die Hergekommenen mit Tätigkeiten , die der Gesellschaft nützen, zu beschäftigen? Ihnen mal glaubhaft zu erklären, wo die ganzen "Geschenke" für sie herkommen und von wem. Stichwort: Steuerzahler!!
Man wird ja noch träumen dürfen.....weil die Hoffnung ist erloschen.

Hayden 69

26.08.2023, 09.17 Uhr

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Lautaro

30.08.2023, 14.56 Uhr

Überforderte Kommunen, Flüchtlinge und Kosten.....

Die Lösung könnte so einfach sein. Wir haben einen Mindestlohn von 12�. Wenn die betroffenen Empfänger nach Ende ihres Arbeitsverhältnisses, nach langer Wanderung ausgerechnet nach Deutschland , oder aus sonstigen Gründen Bürgergeld beantragen.....dann sollten die Kommunen, Landkreise oder Jo welche Träger auch immer den Leuten die Möglichkeit einräumen, zu eben diesen Mindestlohn zu arbeiten ! Und sie nicht zwingen, bei überforderten Jobcentermitarbeitern betteln zu müssen. Sie können die Kommune unterstützen und haben den Stolz, ihr eigenes Geld zu verdienen.
Finanzieren könnte man das durch das Abschmelzen der überbordenden Kosten der Jobcenter, staatlich alimentierter NGOs, irgendwelcher Klitschen gegen rechts und links und anderer anderer Gelder des Steuerzahlers.
Ich habe selbst für ein Jahr mit der Agenda die Segnungen von Rot/Grün erfahren. Ein arbeiten zu einem Mindestlohn wäre mir sicher attraktiver erschienen.

Lautaro

02.09.2023, 16.17 Uhr

Südpfeile sind völlig normal in einem demokratischen Diskurs.

Aber warum bekommt mein Vorschlag einen Südpfeil ?
Ist arbeiten zum Mindestlöhn wirklich so unzumutbar ?

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Author: Debbie Hernandez

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